Wie schmeckt guter Kaffee?
Merkmale und Tipps für Kaffeegenießer
Was macht eigentlich einen guten Kaffee aus?
Die Antwort darauf ist vielfältiger, als es zunächst scheint. Denn guter Kaffee lässt sich nicht auf ein einziges Aroma, einen bestimmten Röstgrad oder eine bestimmte Geschmacksrichtung reduzieren.
Ein hochwertiges Geschmackserlebnis kann mild und harmonisch, kräftig und vollmundig, fein und vielschichtig oder auch fruchtig und lebendig sein. Entscheidend ist, dass die einzelnen sensorischen Eindrücke miteinander harmonieren und der Kaffee einen für ihn charakteristischen Geschmack erkennen lässt.
Dabei spielen viele Faktoren zusammen: die Auswahl und Eigenschaften des Rohkaffees, Herkunft und Aufbereitung, die Röstung, die Frische sowie nicht zuletzt Mahlgrad, Wasser und Zubereitung.
Auch das Aroma endet nicht mit dem ersten Schluck. Ein Kaffee kann einen kurzen, klaren oder einen ausgeprägten und lang anhaltenden Nachklang besitzen. Welche Eigenschaften als besonders angenehm empfunden werden, hängt dabei auch vom persönlichen Geschmack ab.
In diesem Beitrag zeigen wir Ihnen, woran sich die sensorische Qualität eines Kaffees erkennen lässt, welche Rolle Aroma, Körper und Nachklang spielen und warum die richtige Zubereitung einen entscheidenden Einfluss auf das Geschmackserlebnis hat.
Kaffee beginnt lange vor der Röstung
Kaffee ist ein Naturprodukt mit einer langen Wertschöpfungskette. Bevor Rohkaffee bei uns in der Rösterei ankommt, liegen zahlreiche Arbeitsschritte zwischen Anbau, Ernte, Aufbereitung, Trocknung, Sortierung, Export und Import.
Äthiopien nimmt in der Geschichte des Kaffees eine besondere Stellung ein und gilt als Ursprungsregion von Coffea arabica. Bis heute besitzt Kaffee dort eine große kulturelle und wirtschaftliche Bedeutung.
Für uns bei DREIBURGEN beginnt die eigene Arbeit mit der bewussten Auswahl des Rohkaffees. Aus dem Angebot ausgesuchter Importeure wählen wir gezielt jene Kaffees aus, deren Qualität, Charakter und Aromatik zu unseren Vorstellungen und Röstprofilen passen.
Denn ein charaktervoller Kaffee entsteht nicht durch einen einzigen Schritt.
Er beginnt mit dem Rohkaffee – und entwickelt seinen individuellen Charakter durch Auswahl, Röstung und Zubereitung.
Kaffee und seine vielfältigen Aromen
Stellen Sie sich vor, Sie nehmen den ersten Schluck eines frisch zubereiteten Kaffees und entdecken dabei unterschiedliche Aromaeindrücke: vielleicht Schokolade oder Kakao, Nüsse, Vanille, Gewürze, Früchte, florale Nuancen oder eine feine Süße, die an Honig oder Karamell erinnert.
Genau diese Vielfalt macht Kaffee sensorisch so faszinierend.
In geröstetem Kaffee wurden zahlreiche flüchtige Aromaverbindungen nachgewiesen. Allerdings tragen längst nicht alle davon gleichermaßen zum wahrnehmbaren Aroma bei. Entscheidend ist vielmehr das komplexe Zusammenspiel verschiedener aromaaktiver Verbindungen sowie weiterer Bestandteile des Kaffees.
Manche Nuancen nehmen wir bereits über den Duft wahr, andere zeigen sich erst beim Trinken. Auch die Temperatur spielt eine Rolle: Während ein Kaffee abkühlt, können sich einzelne Aromaeindrücke unterschiedlich deutlich zeigen.
Kaffeebohne ist nicht gleich Kaffeebohne
Das spätere Geschmacksprofil eines Kaffees wird von zahlreichen Faktoren geprägt.
Dazu gehören unter anderem:
- Kaffeeart und Varietät
- Herkunft und Anbaubedingungen
- Höhenlage und Klima
- Reifegrad der Kaffeekirschen
- Aufbereitung nach der Ernte
- Eigenschaften des Rohkaffees
- Röstung
- Lagerung
- Mahlgrad und Zubereitung
Zu den wirtschaftlich bedeutendsten Kaffeearten gehören Coffea arabica, kurz Arabica, und Coffea canephora, zu der die als Robusta bezeichneten Kaffees gehören.
Arabica und Robusta unterscheiden sich in ihrer chemischen Zusammensetzung und können deshalb unterschiedliche sensorische Eigenschaften entwickeln. Arabica wird häufig mit einer feineren und vielschichtigeren Aromatik verbunden, während Robusta beziehungsweise Canephora oft einen kräftigeren Körper und ausgeprägtere herbe oder erdige Geschmacksnoten zeigt.
Dabei handelt es sich jedoch um allgemeine sensorische Tendenzen. Varietät, Herkunft, Aufbereitung, Röstung und Zubereitung können das tatsächliche Geschmacksbild erheblich beeinflussen.
Herkunft prägt – aber sie bestimmt nicht allein
Auch die Anbauregion beeinflusst die Eigenschaften eines Rohkaffees.
Klima, Niederschlag, Temperatur, Bodenbedingungen, Sonneneinstrahlung und Höhenlage wirken gemeinsam auf die Entwicklung der Kaffeepflanze und ihrer Früchte.
Deshalb können Kaffees verschiedener Herkunftsregionen sehr unterschiedliche sensorische Profile besitzen.
Brasilianische Kaffees werden beispielsweise häufig mit schokoladigen, nussigen oder süßlichen Aromaeindrücken in Verbindung gebracht. Äthiopische Kaffees können dagegen – abhängig von Region, Varietät und Aufbereitung – unter anderem florale, fruchtige, beerige oder zitrusartige Nuancen zeigen.
Solche Beschreibungen sind jedoch keine festen Geschmacksregeln. Auch innerhalb eines einzigen Landes können Kaffees vollkommen unterschiedliche Charaktere besitzen.
Welche Rolle spielt die Höhenlage?
Auch die Höhenlage kann Einfluss auf die Entwicklung und sensorischen Eigenschaften eines Kaffees haben.
In höheren Lagen führen niedrigere Durchschnittstemperaturen unter bestimmten Bedingungen zu einer langsameren Reifung der Kaffeekirschen. Dies kann die Entwicklung bestimmter Inhaltsstoffe und damit auch das spätere Aromaprofil beeinflussen.
Eine bestimmte Höhenlage allein ist jedoch kein Garant für besondere Qualität oder ein intensiveres Aroma.
Varietät, Mikroklima, Boden, Sonneneinstrahlung, Bewirtschaftung, Reifegrad und Aufbereitung spielen ebenfalls eine wichtige Rolle.
Die Aufbereitung nach der Ernte
Nach der Ernte müssen die Samen der Kaffeekirsche vom Fruchtgewebe getrennt und anschließend getrocknet werden. Die Art dieser Aufbereitung kann das spätere sensorische Profil des Kaffees deutlich mitprägen.
Zu den bekannten Aufbereitungsverfahren gehören unter anderem:
Washed Process – gewaschene Aufbereitung
Bei der gewaschenen Aufbereitung werden Fruchthaut und ein großer Teil des Fruchtfleisches entfernt. Die verbleibende Schleimschicht wird anschließend je nach Verfahren durch Fermentation und Waschen entfernt, bevor der Kaffee getrocknet wird.
Gewaschene Kaffees werden sensorisch häufig mit einem klaren und präzisen Geschmacksbild sowie einer deutlichen Wahrnehmung einzelner Aromanuancen verbunden.
Natural Process – trockene Aufbereitung
Bei der natürlichen Aufbereitung werden die Kaffeekirschen im Ganzen getrocknet. Erst danach werden die getrockneten Fruchtschichten von den Samen entfernt.
Natural aufbereitete Kaffees können häufig eine ausgeprägte Süße, einen volleren Körper und intensive fruchtige Aromaeindrücke entwickeln.
Honey Process
Beim Honey Process wird die äußere Fruchthaut entfernt, während ein Teil der natürlichen Schleimschicht – der sogenannten Mucilage – während der Trocknung am Samen verbleibt.
Je nach Ausführung der Aufbereitung können dadurch sensorische Eigenschaften entstehen, die zwischen gewaschenen und natürlich aufbereiteten Kaffees liegen. Häufig werden dabei Süße, Körper und fruchtige Aromaeindrücke hervorgehoben.
Erst die Röstung macht daraus Röstkaffee
Auch der sorgfältigste Rohkaffee besitzt noch nicht das Aromaprofil, das wir aus der fertigen Tasse kennen.
Während der Röstung laufen zahlreiche chemische Reaktionen ab und es entstehen viele jener Aromaverbindungen, die den späteren Duft und Geschmack prägen.
Deshalb stimmen wir bei DREIBURGEN unsere Röstprofile auf die Eigenschaften des jeweiligen Rohkaffees und das gewünschte sensorische Ergebnis ab.
Denn Kaffee ist das Ergebnis vieler Einflussfaktoren:
Herkunft, Varietät, Aufbereitung, Rohkaffee, Röstung und schließlich die Zubereitung in der Tasse.
Gerade dieses Zusammenspiel macht die geschmackliche Vielfalt von Kaffee für uns so faszinierend.
Guter Kaffee: Frisch gemahlen, voller Geschmack
Nach der Röstung beginnt sich Kaffee kontinuierlich zu verändern.
Während des Röstprozesses entstehen zahlreiche Aromaverbindungen und Gase. Ein Teil des entstandenen Kohlendioxids (CO₂) bleibt zunächst in der porösen Struktur der gerösteten Bohnen eingeschlossen und wird anschließend nach und nach wieder abgegeben. Dieser natürliche Vorgang wird als Entgasung oder Degassing bezeichnet.
Gleichzeitig sind viele der für das Kaffeearoma wichtigen Verbindungen flüchtig und teilweise empfindlich gegenüber Sauerstoff, Wärme und anderen äußeren Einflüssen. Deshalb verändert sich das Aromaprofil eines gerösteten Kaffees mit zunehmender Lagerzeit.
Das bedeutet jedoch nicht, dass Kaffee unmittelbar nach der Röstung automatisch seinen besten Geschmack besitzt.
Frisch gerösteter Kaffee benötigt zunächst etwas Zeit zur Entgasung. Wie sich ein Kaffee anschließend sensorisch entwickelt und wann er für eine bestimmte Zubereitungsart besonders ausgewogen erscheint, hängt unter anderem vom Rohkaffee, Röstgrad, Röstprofil, der Verpackung und der Zubereitung ab.
Röstdatum und Mindesthaltbarkeitsdatum sind nicht dasselbe
Das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) gibt an, bis zu welchem Zeitpunkt ein Lebensmittel bei sachgerechter Aufbewahrung seine spezifischen Eigenschaften mindestens behalten soll.
Es sagt jedoch nicht unmittelbar aus, wann der Kaffee geröstet wurde.
Deshalb lässt sich aus dem Mindesthaltbarkeitsdatum allein das Röstdatum eines Kaffees nicht zuverlässig zurückrechnen.
Ein zusätzlich angegebenes Röstdatum schafft hier mehr Transparenz und zeigt unmittelbar, wann die Röstung stattgefunden hat.
Ganze Bohnen möglichst frisch mahlen
Für ein möglichst intensives Aromenerlebnis empfehlen wir, Kaffee als ganze Bohne aufzubewahren und erst kurz vor der Zubereitung zu mahlen.
Durch das Mahlen vergrößert sich die Oberfläche des Kaffees erheblich. Dadurch können flüchtige Aromaverbindungen schneller verloren gehen und oxidative Veränderungen werden begünstigt.
Wer seinen Kaffee gut verschlossen, trocken, dunkel und vor Wärme geschützt lagert und ihn möglichst frisch vor der Zubereitung mahlt, schafft gute Voraussetzungen dafür, sein charakteristisches Aromaprofil möglichst lange zu bewahren.
Mehr dazu erfahren Sie in unseren 5 Tipps zur richtigen Aufbewahrung von Kaffee.
Die Crema als charakteristischer Bestandteil des Espressos
Die Crema ist eines der typischen Merkmale eines frisch zubereiteten Espressos. Sie bildet sich während der Extraktion unter Druck als feinporige Schaumschicht auf der Oberfläche des Getränks.
An ihrer Entstehung sind unter anderem das im gerösteten Kaffee enthaltene Kohlendioxid (CO₂), Wasser, gelöste Kaffeebestandteile sowie fein verteilte Öle beteiligt.
Eine fein strukturierte Crema beeinflusst nicht nur das Erscheinungsbild eines Espressos, sondern trägt auch zu seinem Mundgefühl und zur sensorischen Wahrnehmung bei.
In den feinen Gasbläschen und der flüssigen Phase der Crema befinden sich außerdem flüchtige Aromaverbindungen. Dadurch kann die Crema Einfluss darauf nehmen, wie sich die Aromen während des Trinkens entfalten und wahrgenommen werden.
Wie viel Crema entsteht und wie stabil sie ist, hängt von zahlreichen Faktoren ab – unter anderem vom verwendeten Kaffee, dem Röstgrad, der Frische, dem Mahlgrad, der Dosierung, dem Brühdruck und der gesamten Extraktion.
Eine schöne Crema kann daher ein Hinweis auf bestimmte Eigenschaften der Zubereitung sein. Sie allein ist jedoch noch kein zuverlässiges Qualitätsurteil.
Entscheidend bleibt das Zusammenspiel aus Aroma, Geschmack, Körper, Balance und dem persönlichen Genuss des Espressos.
Die richtige Kaffee-Zubereitung
Auch die Zubereitung hat einen entscheidenden Einfluss darauf, wie ein Kaffee in der Tasse wahrgenommen wird.
Ob French Press, Filterkaffee, Siebträger oder eine andere Brühmethode – derselbe Kaffee kann sich je nach Zubereitungsart deutlich unterschiedlich zeigen.
Dabei spielen vor allem Mahlgrad, Wassertemperatur, Dosierung, Wassermenge und Brühzeit eine wichtige Rolle.
Sind diese Faktoren nicht aufeinander abgestimmt, kann ein Kaffee beispielsweise zu dünn, unausgewogen, zu herb oder übermäßig bitter wirken.
Ziel ist es deshalb, die Zubereitung so auf den jeweiligen Kaffee und die verwendete Methode abzustimmen, dass sich sein charakteristisches Aromaprofil möglichst klar und ausgewogen zeigt.
Wie das gelingt, erfahren Sie in unseren Zubereitungstipps.
Fehlaromen im Kaffee
Kaffee besitzt eine außerordentlich vielfältige Aromatik. Neben angenehmen und charakteristischen Geschmacks- und Geruchseindrücken können jedoch auch sensorische Merkmale auftreten, die als störend oder unerwünscht wahrgenommen werden.
In der professionellen Kaffeeverkostung werden deshalb nicht nur positive Aromaeindrücke beschrieben. Auch Merkmale wie beispielsweise gummiartig, muffig, papierartig, stark phenolisch oder unangenehm fermentiert können Teil einer sensorischen Beurteilung sein.
Solche Auffälligkeiten können unterschiedliche Ursachen haben.
Sie können beispielsweise mit Eigenschaften oder Defekten des Rohkaffees, Fehlern während Ernte und Aufbereitung, ungeeigneter Lagerung oder auch mit der späteren Röstung und Zubereitung zusammenhängen.
Dabei ist wichtig: Nicht jedes ungewöhnliche Aroma ist automatisch ein Fehler.
Begriffe wie erdig, holzig, tabakartig oder fermentiert können – abhängig vom jeweiligen Kaffee, ihrer Ausprägung und dem gesamten sensorischen Profil – durchaus als charakteristische Aromaeindrücke beschrieben werden.
Von einem Fehlaroma spricht man deshalb vor allem dann, wenn ein sensorischer Eindruck auf einen Defekt oder eine unerwünschte Veränderung zurückzuführen ist und die Wahrnehmung des Kaffees deutlich beeinträchtigt.
Qualitätskontrolle beginnt bereits beim Rohkaffee
Aus diesem Grund spielt die sensorische Beurteilung für uns bei DREIBURGEN eine wichtige Rolle.
Bereits bei der Auswahl unserer Rohkaffees achten wir auf Qualität, Charakter und Aromatik. Auch nach dem Wareneingang vergleichen und beurteilen wir die gelieferte Qualität erneut.
Nach der Röstung überprüfen wir unsere Kaffees ebenfalls sensorisch.
So können wir beurteilen, ob der jeweilige Kaffee das von uns vorgesehene Geschmacksprofil zeigt und ob Röstung und Rohkaffee unseren Vorstellungen entsprechen.
Denn guter Kaffee bedeutet für uns nicht nur, angenehme Aromen zu entdecken – sondern auch aufmerksam wahrzunehmen, wenn etwas nicht zum gewünschten Geschmacksprofil gehört.